Der Rocciamelone (3538 m) ist ein sehr markanter Berg der Grajischen Alpen in den Westalpen (Piemont, Italien), denn er überragt das Susatal um rund 3000 m und ist bis nach Turin sichtbar. Der pyramidenförmige Gipfel bildet eine wichtige Wasserscheide zwischen Po- und Rhône-Einzugsgebiet.
Die Erstbesteigung erfolgte am 1. September 1358 durch Bonifacio Roero d’Asti im Rahmen einer Wallfahrt. Nach ihm ist auch die auf 2854m gelegene Hütte benannt, über die der Berg normalerweise bestiegen wird und Pilgerwallfahrten stattfinden. Schaut man sich das Bild unten an, ist kaum vorstellbar, dass der Weg hier durch führt!
Am Gipfel befinden sich eine Marienstatue und die höchstgelegene Kapelle der Alpen; jährlich findet am 5. August eine Wallfahrt zur Madonna della Neve statt.
Der Rocciamelone gilt dank gut ausgebautem Normalweg als einer der leichtesten Dreieinhalbtausender. Wichtige Aufstiege führen von Susa, Usseglio und Bessans hinauf. Das Panorama reicht von den Ligurischen Alpen bis zur Berninagruppe.

Wir aber werden den Gipfel von der Tazzetti Hütte aus erreichen, erst nach Westen steigend, dann – auf der französischen Seite – über den stark abgetauten Glacier de Rochemelon südlich, später steigt der Pfad wieder nach Italien drehend – immer weiter über einen steilen Grat (T4) bis zum Gipfel nach Osten an.
Morgens sind wir unsicher. Schaffen wir das? Der Rocciamelone ist über 3500m hoch, das sind zwar nur gut 900 Höhenmeter von hier, wir sind aber von den beiden Vortagen (und dem fehlenden Abendessen, dem schlechten Schlaf) schon ein bisschen angeschlagen. Schließlich (etwas Rest Couscos, Zwiebacks aus dem Lager mit zwei Nutellatübchen) brechen wir doch auf. Vor allem ich fühle mich mit der knappen Luft und eigentlich einem Gefühl wie Hungerast ziemlich schlapp. Gleichzeitig spielt mein Darm verrückt: Ein flotter Aufstieg wird das nicht. Gut ist, das wir den Weg bereits kennen. Vor 10 Jahren haben wir den Rocciamelone schonmal bestiegen, allerdings nur mit einem Tagesrucksack.
Gleich hinter der Hütte steigen wir ziemlich spät um 8:30 Uhr seitlich einer Wand den Weg steil nach oben. Weiter oben kommen ein paar Seile, die uns dann auf den Grat dieses Vorpfeilers führen. Immer nördlich der Kante zieht der Weg bis zu einer Zwischenebene mit einem Kreuz.
Ab hier zieht der Weg in eine steilere Wand, vermutlich ist das das T4 Gelände. Stöcke sind hier eigentlich hinderlich, da man öfter auch die Hände am Fels braucht. Endlich schauen wir von oben auf den Schnee des Restgletschers, ca. 3100m Höhe. Teilweise über Schnee und Felsen folgen wir ca. 600m einigen markierten Holzpflöcken lang in Richtung Süden. Ein letzter Steilaufschwung bringt uns zunächst auf eine Hochebene – der Monviso ist in der Ferne zu sehen – und dann auf den steilen Grat, der von Westen aus auf den Rocciamelone hochführt. Technisch eigentlich einfach, aber alle 30, 40 Schritte brauche ich eine kleine Pause. So ziehen sich die restlichen 350m bis zur Madonna auf der Spitze!
Erst um halb zwei kommen wir hier an.. trotzdem, irgendwie geschafft! Von hier aus geht es allerdings noch über 1800 Höhenmeter runter zu unserer Unterkunft nach Il Trucc. Ohne uns oben allzulange aufzuhalten (wir sollten auch nicht zu spät zum Abendessen kommen) beginnen wir mit dem Abstieg über den steilen, teils versicherten Normalweg, eine ziemlich staubige Angelegenheit.
Erst ca. 800m tiefer ändert sich das Gelände, es zeigt sich erstes Grün, später auch Weiden. Es ist seit dem Vormittag sehr heiss, wir wollen nur noch runter. An einer markierten Wasserstelle in der Nähe eines Parkplatzes sehen wir einen flotten Berggänger, der uns im Abstieg entgegen kam. Ich gehe zu ihm hin, frage, ob er uns in seinem Auto ein Stück mit runternehmen kann, Richtung Il Trucc. „Claro“. Toll, so bleiben uns 350 Höhenmeter und ca. eine Stunde Weg erspart!! Grazie! Leider lasse ich an der Wasserstelle meine Sonnenbrille liegen – was ich aber erst bei der Ankunft merke. So ein Mist! Egal – erstmal ein Bier! Dann ins Zimmer, duschen, später Abendessen: Wir haben es geschafft! Allerdings haben wir auch deutlich gemerkt, dass die letzten drei Tage (und wir waren ja mit den anderen auch vorher schon eine Woche unterwegs!) an uns geknabbert haben. Die beiden Etappen vorher waren auch knackig – wir müssen etwas rausnehmen, uns etwas erholen! Morgen die Etappe ist aufgrund einer notwendigen Umplanung (die ursprünglich geplante Unterkunft ist nicht geöffnet) auch sehr lang, wir müssen runter ins heiße Susa und drüben, ein paar Kilometer weiter, wieder hoch. insgesamt gut 20 km und etwa 1400 Höhenmeter im Ab- und Aufstieg. Wir können aus unserem Zimmerfenster schon rüberschauen.

Ohne Fahrtunterstützung fast nicht zu machen. So fragen wir die Wirtin auf Il Trucc ob es nicht eine Mitfahrgelegenheit gibt. Diesmal klappt es nicht, also leisten wir uns in dieser Ausnahmesituation den Luxus und bestellen uns für den nächsten Morgen ein Taxi! Scheiß drauf! Immerhin hatten wir auf der Tazzetti keine Übernachtungskosten. Kaputt, aber doch froh die Situation entsprechend gemeistert zu haben, fallen wir ins Bett.
