20.07.2026 Von Elva nach Chialvetta

Wir haben heute nicht viel vor. Zunächst geht es rund 250m hoch über den Colle S. Giovanni und dann 1000m runter ins Valle Maira. Hier wollen wir trampen oder einen Bus ca. 15 – 20 Kilometer das Haupttal weiter hoch nach Acceglio kriegen, von wo aus wir dann noch 300 Höhenmeter nach Chialvetta aufsteigen.

Zunächst gilt es jedoch, das Frühstück zu überwinden. Das gibt es erst Punkt 8:00 Uhr, eher spät für ein Posto Tappa. Gestern ist eine größere Wandergruppe eingetroffen und alle wollen jetzt frühstücken (das Hotel und die Posto Tappa sind an einen Gepäcktransport angeschlossen, das erklärt vielleicht den Andrang). Am Kaffeeautomat bildet sich die erste Schlange. Wir meinen, clever zu sein und nutzen die Zeit, um schonmal zu zahlen und auszuchecken. Dann tauchen die ersten Versorgungsengpässe am Buffet auf – erst Toastbrot, dann Croissants. Es  macht sich etwas wie erste Empörung unter den GTA GeherInnen breit. Ich war zwar noch nie auf einem Kreuzfahrtschiff – aber so stelle ich mir das vor. Nach und nach werden die Versorgungslücken jedoch behoben. Ich finde, das Nachhaltigkeitsprinzip des GTA lebt auch sehr stark von der Toleranz und der Akzeptanz der WanderInnen. Keep cool! Kurz vor 9 brechen wir auf. Gut so, raus aus dem Rummel! Es geht zunächst den Hang lang, vorbei an einigen Baustellen, vermutlich Ferienwohnungen. Dann steigt der Weg nochmal knapp 200m hoch, bis wir in den ca. 2stündigen Abstieg zunächst nach Stroppo kommen.

Die Kirche ist geschlossen, aber wir nutzen die Zeit, uns kurz das alte Schulmuseum anzuschauen. Ungefiltert durch alle Epochen erklärt uns eine Ecke auch, warum Italien dringend eine Kolonie in Äthiopien braucht, Volk ohne Raum, das hat man schon mal gehört! Ansonsten kann man sich den Schulbetrieb hier ganz gut vorstellen.

Wir steigen die 150m zur Hauptstrasse weiter ab, finden die Bushaltestelle Richtung Acceglio. Der Bus kommt erst in einer halben Stunde. Ich setze mich kurz auf eine Bank, Cilli hält den Daumen raus…sofort hält das erste Auto! Die Frau nimmt uns mit, ihr Ziel ist aber eine Gemeinde vor Acceglio. Egal, wir werden schon weiterkommen! Wir reden kurz ein bisschen, die Frau ist Landwirtin, sie und ihr Mann haben knapp 80 Kühe, ein Sohn geht auf die kleine Schule im nächsten Ort. Sie ist hier im Tal geboren, kennt Orlando, den Wirt unserer nächsten Unterkunft in Chialvetta gut (Orlando ist im Tal bekannt, er ist nicht nur ein guter Koch, sondern auch, weil er in der Scheune hinter seinem Haus ein wirklich sehenswertes Museum mit Alltagsgegenständen aus dem früheren Leben hier zeigt).
Kurzentschlossen ruft sie ihren Mann an, der irgendwo auf dem Trecker sitzt und grade Heuballen produziert, das Mittagessen ist heute etwas später. Unterwegs erzählt sie, dass sie hier Probleme mit Wölfen haben, 20 Stück soll das Rudel hier groß sein. Mit Hunden können sie nicht soviel anfangen, da sie immer zwischen dem Herdenschutz und den Belangen des Tourismus vermitteln müssen. Bevor wir etwas sagen oder gar protestieren können, fährt sie uns nicht nur bis Acceglio, sondern auch noch 300m den Berg hoch bis Chialvetta. Wir haben bloß noch 50m zu unserer Posto Tappa zu gehen. Herzlichen Dank Susanna!! Klar richten wir Grüße an Orlando aus!!

Hier gibt es endlich mal einen gescheiten Tomatensalat mit Käse und Oliven, dann duschen wir, fragen nach, ob es WLAN gibt (gibt es!) Wir besichtigen das Museum, sehr lohnenswert , wenn man sich in die Dinge reinversetzt.

Als wir wieder um die Hausecke biegen sitzt dort das französische Paar aus der Nähe von Grenoble, das wir in Didiero getroffen haben, schön! Wir haben uns viel vom unterschiedlichen Weg hierher zu erzählen. Morgen werden sie auch über zwei Pässe nach Pontebernardo gehen, wo ihre Tour dann endet.

 

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AutorIn
Günter Bergmann

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