Der Monviso (auch Monte Viso) ist mit 3841 m der höchste Gipfel der Cottischen Alpen und liegt im Nordwesten Italiens nahe der französischen Grenze. Mit seiner markanten Form ragt er rund 500 Meter über die umliegenden Berge hinaus und ist von weiten Teilen der Po-Ebene sichtbar. In der Region wird er daher auch „re di pietra“ („König aus Stein“) genannt.

Am Pian del Re an seinen Nordhängen entspringt der Po, der längste Fluss Italiens. Die Monviso-Gruppe liegt zwischen dem Valle Varaita, dem französischen Guil-Tal und der Landschaft Queyras. Seit 2013 ist das Gebiet Teil eines grenzüberschreitenden UNESCO-Biosphärenreservats.
Geologisch besteht das Massiv vor allem aus Serpentinit, Metagabbro und Metabasit. Am Monviso wurden frühjungsteinzeitliche Jadeitit-Abbaustellen entdeckt (5200–4000 v. Chr.). Aus dem extrem harten Gestein fertigte man Steinbeilklingen, die über weite Teile Europas gehandelt wurden.
In der Antike galt der Monviso bei den Römern als höchster Berg der Alpen. Er wurde unter anderem von Vergil, Dante und Geoffrey Chaucer erwähnt.
Nach mehreren gescheiterten Besteigungsversuchen gelang die Erstbesteigung am 30. August 1861 durch William Mattews, die Brüder Michel und Jean Baptiste Croz sowie William Jacomb über die Südroute, die heute der Normalweg ist. Erste Frau ist 1864 Andrea Boarelli, die Namensgeberin unseres Biwaks!
Zuerst gehen wir mit dem GTA Wanderer und seinen beiden Freunden immer weiter das Tal herunter, natürlich wieder begleitet von Steinböcken, unsere Wege trennen sich endgültig, als wir nach Osten zu unserm Tagesziel, dem Bivacco Andrea Boarelli aufsteigen.
Erst vorbei an einer Schafherde, die Patous interessieren sich überhaupt nicht für uns, dann leichter durch den Wald. Später durchaus etwas kniffliger und Kettenversichert, wir schätzen die Schwierigkeit auf T4. Insgesamt müssen wir ca. 800 Höhenmeter hoch, also eigentlich ein kurzer Tag.
Wir sind etwas in Sorge, ob auf der Hütte viele Leute sind, es gibt nur 12 Plätze und man kann sich nicht anmelden! Auf der Hütte – Erleichterung! Wir sind – zunächst – mit vielen Steinböcken alleine. Ein schönes Bivacco, mit einem Trockenklo ein paar Meter weiter.
Wir nutzen den Raum und die Zeit, um für morgen zu packen. Alles was wir nicht brauchen bleibt hier. Mit muss Regenzeug, warme Klamotten, etwas zu essen, Wasser. Helme! Und natürlich das Seil, Karabiner, Bandschlingen und Reepschnüre. Was genau wir wirklich brauchen, wissen wir noch nicht. Laut Beschreibung gibt es UIAA-Kletterstellen bis II–III (max. ca. III+), das heißt leichte bis mäßige Kletterei, aber in ernstem alpinen, z.T. ausgesetztem Gelände, über Platten und durch Kamine auf weit über 3000m! An der Leiter zu weiteren Matratzen oben zeigt uns Sven, wie die moderneren Abseilgeräte funktionieren, wir haben noch mit Abseilachtern gelernt. Allerdings ist das 60m Seil sehr dünn – wir würden also besser die modernen Geräte nehmen. Oder wir seilen gar nicht selbstständig ab, sondern werden von den anderen abgelassen.
Gerade als wir weggeräumt haben, kommt vom Berg eine Gruppe von Franzosen, die hier ihre deponierten Sachen aufnehmen und kurz rasten. Sie sind fast fertig und bereits im Gehen, da kommen noch vier junge Spanier aus Madrid. Sie wollen hierbleiben, insgesamt sind wir also nachts zu acht. Die vier waren auch schon oben, Schnee gibt es nicht, die mitgebrachten Eispickel können also auch hierbleiben. Wir liegen noch ein bischen rum, genießen die Panoramascheiben der Giebelfront, springen ganz, ganz kurz mal in den See. Cilli findet weiter oberhalb Trinkwasser für heute, morgen nehmen wir von dort mit.
Persönlich bin ich wegen morgen ziemlich beruhigt. Der Rucksack wiegt so nur noch ein paar Kilo, ganz die Luftprobleme, die ich am Rocciamelone mit vollem Gepäck hatte werde ich hier vermutlich nichtbekommen. Außerdem sind unsere beiden Begleiter kompetent und fit, was Gerät und Technik angeht. Und Last but not least hat uns die Vallantahütte wirklich eine gute Brotzeit aus Nudeln mit Bohnen und einem Sandwich eingepackt – wesentlich bessere Voraussetzungen als noch im Nachtlager der Tazzettihütte.
Während wir essen bricht draußen das Gewitter los.
Wir planen noch den morgigen Tag: wecken um 04:30 Uhr, weggehen um 05:00 Uhr, nach Gipfel und Rückkehr zum Biwak kurz was essen, Rucksäcke packen und weiter zu unserer Unterkunft Rifugio Bagnour. Bezüglich des Rückweges vom Biwak aus machen wir aus meiner nachträglichen Sicht einen Fehler: wir wählen statt des schwierigen Weges, den wir hergekommen sind einen uns unbekannten, der auf der Karte aber durchgehend rot, also als einfacher eingezeichnet ist.
Früh um halb acht lege ich mich ins Lager. Morgen wollen wir um halb fünf aufstehen.
