Der Name Ventimiglia stammt vom lateinischen Album Intimilium („Stadt der ligurischen Intemelii“) und wurde im Laufe der Zeit sprachlich zu Ventimiglia umgeformt, hat aber nichts mit „venti miglia“ (20 Meilen) zu tun.
Das holen wir uns in den Kopf, als wir auf der Terrasse ein sehr feines Frühstück serviert bekommen. Wir machen Pläne für den Tag. Ich starte damit, nach dem Frühstück die Gasse 200m weiter in einen Barbierladen zu gehen. Das Besondere: hier rasiert eine Frau Männer.
Erst sieht es so aus, als wolle sie mir nur einen Termin geben, dann seufzt sie und weist auf einen Stuhl. Ich habe also zunächst mal 20min Zeit, mir das soziologische Innenleben des Salons anzuschauen. Sie ist die Chefin, daran besteht kein Zweifel. Später kommt noch die Tochter mit Enkelkind, ein Junge aus Peru schneidet gerade Haare.
Rasiert werden ist ein Erlebnis. Das letzte und bisher einzige Mal war für mich in Domodossola, bei einem Alten mit Tangomusik. Sie macht das sehr routiniert, mit mehrmaligem Einseifen, Eincremen, mit scharfem Messer und dann nochmal mit einer Maschine … anschließend schneidet sie mir noch ein bisschen die Haare. Cilli gibt mir später fünf Jahre weniger. Danach schlendern wir durch die Stadt.
Eine sehr alte Kirche wird gerade saniert. Trotzdem können Teile besichtigt werden. Einzelne Fundstücke gehen zurück bis ins 8. Jahrhundert, sehr schöne Steinmetzarbeiten, wie ich finde. Es gibt ein uraltes intaktes Taufbecken – für Erwachsene!
Vor derselben Kirche haben wir gestern das Training von FlaggenwerferInnen beobachtet: am Freitag und Samstag sind hier historische Festlichkeiten geplant und die einzelnen Kirchengemeinden arbeiten an ihren Auftritten, die sie morgen haben.

Wir sind dann nicht mehr da, fahren mit der Tendabahn nach Cuneo.
Migration hat in Ventimiglia eine lange Geschichte. Hunderttausende Italiener haben entweder auf der Straße die Ponte San Luigi/Pont Saint-Louis überquert, oder sind ab dem 1879 eröffneten internationalen Bahnhof gereist, um in Frankreich ein Auskommen zu finden.
Infolge der Flucht- und Migrationsbewegungen über das Mittelmeer ist Ventimiglia mit dem Schicksal zahlreicher Menschen konfrontiert, denen die Weiterreise nach Frankreich verweigert wird.
Etwa 20.000 Flüchtlinge kommen jährlich trotz Grenzkontrollen und den an bekannten Fluchtpfaden gebauten Zäunen über die Stadt nach Frankreich, wie der Bürgermeister Flavio di Muro behauptet. Er ließ Zugänge unter Brücken vergittern, damit dort niemand schlafen kann. Auf dem Friedhof wurden Wachen aufgestellt, um zu verhindern, dass sich Flüchtlinge dort waschen können. Die Flüchtlinge schlafen in der Regel am Strand oder am Bahnhof. Ärzte ohne Grenzen und die Caritas sprechen von einer humanitären Notlage.
