Da wir heute erst um 13:15 Uhr mit dem Kleinbus nach Ventimiglia fahren, bleibt genug Zeit fürs Frühstück, das Ausschecken, und noch über eine Stunde, um Leuten beim Vorbeigehen zuzuschauen. Die Busfahrt runter ins immer heißere und stark befahrene Ventimiglia versöhnt uns nochmal mit der Entscheidung, in Nervina aufzuhören. Schon der Ausstieg aus dem Bus und der Aufstieg zu unserer oben in der mittelalterlichen Altstadt gelegenen Unterkunft sind auf Meereshöhe wiederum schweißtreibend genug.
Schließlich kommen wir in unserem netten B&B an. Eine begrünte Terrasse im 3.Stock lässt den Blick frei zu den Bergen – und zum Meer. Mit Geckos an der Wand als Dauermietern. Die Wohnung in dem uralten Gebäude ist klimatisiert. Das scheint uns innerhalb eines Gebäudes in der südlichen Hitze der Stadt durchaus eine sinnvolle Maßnahme.
Die engen Gassen mit den bis zu sechsstöckigen Gebäuden lassen nicht viel Wind vom Meer durch, alle bewegen sich möglichst im Schatten auf den unregelmäßigen Kopfsteinpflastern. Eine quirlige Stadt, der Verkehr oben in der Altstadt ist geprägt von Vespas oder Motorrädern. Bestimmte Bereiche scheinen auch verkehrsberuhigt zu sein. In einem Tunnel zum Meer entdecken wir später auch einen öffentlichen Aufzug, der uns schnell auf den Hügel der Altstadt oder eben fast bis ans Meer.
Am Meer überlegen wir kurz, uns auf einer der vielen freien Liegen niederzulassen. Als Rettungsschwimmer getarnte Aufpasser nennen uns den phantastischen Preis von 60 Euros – es bleibt unklar, ob das der Preis für eine Woche, einen Monat oder die Sommersaison sein soll. Wir verzichten und suchen uns einen Platz auf dem schmalen 50m Strand zwischen dieser und der nächsten Goldgrube, um unsere Handtücher auszubreiten. Das Meer ist ziemlich warm, aber wenn man mal drin ist, ganz nett. Später essen wir in einem guten Restaurant mit Blick über den Yachthafen, bei gutem Wetter wohl bis Korsika.
In der Nacht träumte ich stark, wohl durch den Wechsel aus den Bergen in die „zivilisierte“ Welt. Ich muß alles Mögliche im Traum verarbeitet haben, den Typ mit der AirCondition in der Bar und dessen fehlenden Respekt vor der Umwelt, das Geschäft mit dem Nutzungsrecht am Strand, dem Bild der teuren, hunderte Millionen schweren Yachten, die da im Kreis aufgereiht im Hafenbecken ankern. Worte wie Gemeinwohl spukten noch von einem Plakat, das wir auf der Refuge Fontanalbe gesehen hatten mit rein. Jedenfalls hatte in meinem Traum eine neue aktivistische Umweltgruppe wie in einem James-Bond Film als Kampfschwimmer nachts Minen an den Yachten angebracht. Am nächsten Tag – wie auf ein Kommando machte es ein paar Mal wupp, wupp. Mit gar nicht mal so großen Löchern sanken die Yachten langsam zur Hafenmitte hin, blieben mit den Enden am Kai hängen. Verletzt wurde niemand.

