04.07.2026 Balme und seine Geschichte

Das Bergsteigerdorf Balme liegt etwa 45 km nordwestlich von Turin und ist die höchstgelegene Gemeinde im Val d‘Ala, das von der Stura di Ala durchflossen wird.

Liest man die Geschichte von Balme und dem Beginn eines ersten Bergtourismus durch Bürgerliche aus den Städten, dann wird klar, es waren vor allem die Schmuggler, die die Berge wie ihre Westentasche kannten und die schließlich als Erste bergaffine Bürgerliche auf die Berge führten. In Balme klingen die Namen dieser Pioniere des Bergsteigens wie Martelli, Vaccarone, Baretti und Barale noch heute nach.

Ein abruptes Ende des gerade erst aufflammenden Tourismus erlebte das Tal durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges. Durch seine versteckte Lage und die Nähe zu Frankreich war Balme in dieser Zeit ein Zufluchtsort für jüdische Familien, entflohene Häftlinge und französische Partisanen.

Die Geschichte ist gut dokumentiert im Ecomuseum delle Guide Alpine Antonio Castagnera, Ginella und Giogio haben hier extra für uns eine Führung angeboten!

Nachdem es für die Verhüttung des regional gefundenen Eisenerzes kein Holz mehr gab alle Wälder waren abgeholzt, begann die Männer mit dem, was je am Besten konnten: in den Bergen unterwegs zu sein, ein paar tausend Höhenmeter hoch und runter, waren normal. Erst als „Contrabandista“, also Schmuggler für Kaffee, später, als aus England der Alpintourismus herüberkam, als Bergführer. Das Museum ist gespickt mit frühen Steigeisen und antiquarischen Ski. Aber auch Unkanntes wie Gestelle zum Stufen treten oder lange Speere mit einer Lanze und Widerhaken zur Murmeltierjagd. Durch ihre Bergkenntnis waren die Berführer aber auch wichtig für Fluchtkarawnen der Juden und als kundige Führer der Partisanengruppen der GL – Giustizia e Liberta. Ein ganzer Nebenraum ist dem gewidmet. Vielen Dank für die Führung!

Mittlerweile interessieren sich auch multinationale Unternehmen wie Alta Zinc und Alligator Energy für die Gegend. Sie wollen im Val d’Ala nach Kobalt- und Nickelvorkommen suchen. In Balme war der Standpunkt von Anfang an klar: Keine Probebohrungen und keine Experimente! Die Gemeinde macht sich Sorgen über eine mögliche Verunreinigung des Grundwassers und die Auswirkungen auf den Tourismus. Befürchtet wird, dass die von den multinationalen Unternehmen versprochenen wirtschaftlichen Vorteile nur eine Illusion sind, während die Umweltschäden irreversibel sein könnten.

Wer sich für die Wege und Orte des Widerstands zwischen Gran Paradiso und Monviso interessiert, der und dem sei unbedingt „Partisanenpfade im Piemont“ von Sabine Bade und Wolfgang Mikuteit empfohlen, ein politisches Wanderlesebuch. 

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AutorIn
Günter Bergmann

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