23.07.2026 Pausentag auf dem Rifugio Migliorero

Ausschlafen geht bis um 8 – letzte Möglichkeit für das Frühstück. Am Blog arbeiten können wir nicht wirklich: kein Netz, keine mobilen Daten. Das verspricht ein geruhsamer Tag zu werden. Wäsche waschen, endgültig die Strecke bis zum Meer festlegen. Mit über 10 Stunden ist uns die Etappe am kommenden Sonntag zu lang, zumal das der einzige Tag ist, an dem ab Mittags Gewitter gemeldet sind. Cilli brütet über Alternativen, findet eine sehr gute Lösung. Hüttenwart Oskar klärt für uns telefonisch die nötigen zwei Umbuchungen – das entspannt uns und die Etappe in drei Tagen!!!. Das ist auch nötig – denn es sind noch zwölf ganze Wandertage bis Ventimiglia! Allmählich müssen wir ein bisschen mit den Kräften haushalten.

Vormittagsschlaf, Nachmittagsschlaf, in der Sonne sitzen, dem Tagesbetrieb zuschauen. Verfolgen, wie sich die Ankommenden auf unserem gestrigen Abstieg anstellen. Mit einem Panino, einem Bier, einem Café Latte den Tagesumsatz des Wirtes mitankurbeln. Ich helfe kurz dem Wirt und seiner Kollegin, deren Auto auszuladen, um mich ein bisschen nützlich zu machen, ein bisschen Sport, beladen den Hügel hoch! Cilli macht Fotos am See, ich gehe später hinterher, wir springen mal kurz rein. Als wir wieder vor der Hütte sitzen kommt der Wirt mit einem älteren italienischen Paar, die unten am See meinen Geldbeutel gefunden haben! Ein bischen Glück braucht man ja auch!  Heute beim Abendessen ist es etwas voller, zusammen sind wir 14 Personen. Einige Zelter haben sich dazugesellt. 21 Uhr ist für mich höchste Zeit für ins Bett, die morgige Etappe ist mit 8 Stunden und 1400 Höhenmetern im Auf- und Abstieg veranschlagt.

Immer mal wieder waren wir auf der GTA unterwegs, auch ein paar der nächsten Etappen. Deshalb für Interessierte hier einen Input dazu:

GTA

Die Grande Traversata delle Alpi (GTA) ist ein italienischer Fernwanderweg, der auf rund 1.000 Kilometern und etwa 65 Tagesetappen den gesamten piemontesischen Westalpenbogen durchquert. Die Route führt von den Walliser Alpen an der Schweizer Grenze über die Grajischen und Cottischen Alpen bis in die Ligurischen Alpen nahe dem Mittelmeer. Dabei verbindet die GTA zahlreiche abgelegene Bergtäler und traditionelle Bergdörfer, die abseits des klassischen Alpentourismus liegen.

Entstanden ist die GTA in den 1970er Jahren mit dem Ziel, den strukturschwachen Bergregionen durch sanften Wandertourismus neue Perspektiven zu bieten. Besonders zu erwähnen ist hier sicher der Humangeograph Werner Bätzing, der eine ganze Reihe Beschreibungen und Hintergrundgeschichten geliefert hat! Viele der durchwanderten Täler sind stark vom Bevölkerungsrückgang betroffen. Die Wanderroute soll deshalb dazu beitragen, Arbeitsplätze und Einnahmen in den Dörfern zu sichern. Deshalb setzt die GTA bewusst auf bestehende Infrastruktur statt auf große touristische Neubauten. Übernachtet wird überwiegend in einfachen, familiären Unterkünften („posti tappa“), ehemaligen Schulen, kleinen Pensionen oder Gasthäusern mit regionaler Verpflegung. Besonders geschätzt wird die traditionelle piemontesische Küche. Eine Voranmeldung wird meist empfohlen, da viele Gastgeber frisch für ihre Gäste einkaufen und kochen.

Die GTA verläuft bewusst abseits großer Skiorte und touristischer Zentren. Gewandert wird auf historischen Saumwegen, alten Militärstraßen und traditionellen Verbindungswegen zwischen den Dörfern. Typisch für die Route sind tägliche Passübergänge von einem Tal ins nächste, wodurch sich ständig neue Landschafts- und Kulturräume erschließen. Neben beeindruckender Natur bietet die GTA auch tiefe Einblicke in die alpine Kulturgeschichte, etwa mehr im Norden in alte Walser- und im Süden und Westen okzitanische Siedlungsgebiete.

Technisch gilt die GTA als anspruchsvoller Bergwanderweg, jedoch ohne Klettersteige oder Gletscherquerungen. Erforderlich sind vor allem gute Kondition, Trittsicherheit und Ausdauer, da täglich häufig mindestens 600 bis 1.200 Höhenmeter im Auf- und Abstieg bewältigt werden müssen. Die beste Wanderzeit liegt zwischen Ende Juni und Oktober. Viele Wanderer begehen nur einzelne Abschnitte, da die gesamte Route mehrere Wochen in Anspruch nimmt. Gerade diese Mischung aus Ursprünglichkeit, kultureller Vielfalt und einsamen Alpenlandschaften macht die GTA zu einem der eindrucksvollsten Fernwanderwege Europas.

 

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AutorIn
Günter Bergmann

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