03.07.2026 Von Pialpetta nach Balme

Nach dem Frühstück und der Verabschiedung der Anderen sind wir zu zweit weitergegangen. Über den Fluß und dann steil den Wald hoch, Richtung Balme. Wir erreichen eine erste Kuhalm, die Viecher liegen noch faul im Schatten des Stalls. Dabei ist ihre Weide bemerkenswert gründlich von den Steinen befreit worden und zu entsprechenden Haufen aufgeschichtet worden, in Frankreich heißen die „Clapiers“.

Noch weiter oben kommen wir an ein paar kleinen Seen vorbei, dann gehts es über einen zunächst verdeckten Steilaufschwung auf den Passo Trione. Hier kommen uns ausnahmsweise mal zwei Wanderer im Abstieg entgegen. Mehr interessiert uns aber der junge Steinbock, der sich oben aufhält und sich von uns auch im Näherkommen nicht stören läßt.

Nach dem Pass (knapp 2500m) bläst ein kalter Wind und treibt uns in den Abstieg. Drei Stunden und etliche Steilabbrüche später, durch etliche Kuhherden hindurch kommen wir unten, ca. 900m tiefer, an. Um nach Balme zu kommen, müssen wir in brütender Hize noch ca. 2 km eine nicht mehr benutzte Teerstraße lang. Endlich kommen wir in der Posto Tappa, dem Hotel Les Montagnards an. Im Stil der Jahrhundertwende bietet das Hotel Charme und, wie wir später erfahren, Herzlichkeit. Alkoholfreies artisanales alkoholfreies Bier, ein Prosciutto Crudo Sandwich für uns beide. Dann duschen, schlafen bis zum Abendessen um halb acht. Um halb zehn und nach mehreren Gängen kann das dann – zumindest für mich – mit dem Schlafen bis fast 08:00 Uhr am nächsten Morgen weitergehen.

Am nächsten Tag bleiben wir in Balme, klären nach dem Frühstück die letzte noch unbestätigte Übernachtung, hier erreichen wir niemand, müssen umplanen. Und die Übernachtung übermorgen hat nur den Winterraum offen, es gibt also nichts zu essen. Im örtlichen Alimentari kaufen wir Büchsen mit Sardinen, Nussmischungen, Salami, Käse… Wir werden überleben!
Der Wirt vom Montagnard nimmt sich zwischen seinen Kochvorbereitungen die Zeit, uns ein paar Fragen zu beantworten. Die eine bezieht sich auf die Absichten australischer Konzerne, hier im Paradies des Bergsteigerdorfs Kobalt abzubauen. Fast alle Orte sind dagegen, es wird eine Verschmutzung des Wassers befürchtet. Bis nach Turin hat sie ihr Einspruch geführt. Letztlich entscheidet aber Rom. Das Ganze ist anscheinend eine global strategische Idee: was gegen den Monopolstatus Chinas tun? Und vielleicht würde das Ganze erst in 20 Jahren akut (hat man ihnen gesagt). Meine Frage, ob der Status als Bergsteigerdorf nicht hilfreich sein könne, verneint Guido. Ein Problem scheint außerdem zu sein, das der CAI, also der italienische Alpenverein, neben der Idee der Bergsteigerdörfer auch noch eine eigene nationale Variante plane. Warum, verstehe niemand. Unsere zweite Nachfrage gilt dem von ihnen angeschafften Wald-und Wiesen Rollstuhl. Ihre Idee ist es, damit auch inklusives Wandern zu ermöglichen. Ich finde die Idee klasse, kann mir gut vorstellen, daß z.B. in Regionen wie der Pfalz mit einigen Organisationen, die mit Menschen mit Handicap arbeiten, so etwas als Sharingidee auch für unsere Sektion ein interessantes Neuland sein könnte. Die Kosten sind garnicht so hoch, das Basicmodell gibt es ab 5000€, motorisiert ca. ab 7000€. Vielleicht stößt die Idee ja auf Interesse in unserer Sektion?

Die Wirtin unseres Hotels arrangiert für halb vier den Besuch des örtlichen Bergsteigermuseums. Hier werden uns später Ginella und Giogio durch das zweistöckige alte Schulgebäude führen, in dem das Museo della Guida untergebracht ist. Näheres dazu im nächsten Beitrag zum Pausentag in Balme.Vor und nach der Führung nutzen wie die Zeit, um den Blog nachzutragen…Lavoro!

Morgen früh verlassen wir zunächst die GTA und wechseln auf einen Teil der Bessanese-Tour, dazu gehen wir Richtung Frankreich, umrunden die Uja („Nadel“) di Bessanese (3.604 m), erreichen selbst unseren höchsten Punkt des Tages am Collerin-Pass mit 3.200 m!

 

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AutorIn
Günter Bergmann

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