Den Pausentag in Usseaux am kleinen See Laux nutzen wir auch, um unseren Blog nachzutragen. Viel Zeit, ein guter Empfang im Zimmer bzw. auf dem Balkon mit Blick auf den See läßt entspannt arbeiten.
Wir haben nach einem guten Abendessen sehr gut in unserem Zimmer, fast eher in einem kleinen Appartement geschlafen. Heureka! Beim Frühstück um halb neun konnten wir mit der Wirtin auch bereits unser möglichst frühes Frühstück für 6:00 Uhr morgen klären, denn wir haben wieder einen langen Weg, es sind Regen und Gewitter gemeldet.
Heute Morgen aber schauen wir der Wirtin beim Füttern der Enten zu, umrunden einmal den See – beginnen dann mit der Arbeit am Blog. Morgen sollten wir hier wieder bei Null Starten!
Am Nachmittag wird nochmal die fast trockene Wäsche gewendet, ab 14:20 Uhr regnet es, wir schauen den Tropfen in den See und dem Gewitter zu! Ein bisschen dehnen, warten auf das Abendessen…
Usseaux ist übrigens eine der fünf Gemeinden der Republik Escartons. Mehr Infos zu dieser bemerkenswerten gesellschaftlichen Situation im Mittelalter ist hier für Interessierte nachzulesen:
Die Republik der Escartons war ein historisches Gemeinwesen in den Alpen mit der Hauptstadt Briançon. Sie wurde am 29. Mai 1343 durch die Grande Charte offiziell gegründet und bestand aus fünf alpinen Tälern in heutigen Teilen Frankreichs und Italiens (Hautes-Alpes, Provinzen Turin und Cuneo).
Die Escartons genossen über Jahrhunderte hinweg einen außergewöhnlichen steuerlichen und politischen Sonderstatus. Trotz ihrer geringen Größe lebten dort rund 40.000 Einwohner, die sich jährlich in einem Rat trafen und einen Konsul wählten. Der Begriff „Republik“ ist eine spätere Bezeichnung; historisch hieß das Gebilde Principauté du Briançonnais.
Als bemerkenswert wird als „Alpine Paradoxon“ bezeichnet: Im Spätmittelalter war hier der Alphabetisierungsgrad extrem hoch – etwa neun von zehn Einwohnern konnten lesen, schreiben und rechnen. Bildung spielte eine zentrale Rolle, unter anderem durch ein weit verbreitetes System von Hauslehrern. In der Grundstufe, lernte man Lesen und Schreiben, die mittlere stufe brachte Mathematik bei, die obere Stufe beschäftigte sich mit Philosophie, Kunst und Sprachen.
Das Stereotyp der Alpengemeinschaft als geschlossene und undurchlässige Realität wird durch Realitäten wie die der Escartons widerlegt.
Obwohl die Bergregionen daher in der kollektiven Vorstellung als technologisch und kulturell isoliertere Gebiete gelten, war in der Republik Grande Charte der Beruf des Heimlehrers am weitesten verbreitet, der auf drei Ebenen basierte: der Grundstufe, auf der man Lesen und Schreiben lernte, die mittlere, wo du Mathematik gelernt hast, und die obere, wo du Philosophie, Kunst und Sprachen gelernt hast.
Die Republik verlor ihren Sonderstatus 1713 (savoyischer Teil, Vertrag von Utrecht) bzw. 1789 (französischer Teil, Französische Revolution).
Die Dörfer von Usseaux waren auch Teil der Republik der Escartons, was eine einzigartige Verwaltungserfahrung dieser Art darstellte. Die Republik wurde von einer Föderation aus fünf unabhängigen Territorien regiert, den Escartons, die Briançon, Queyras, Casteldelfino, Pragelato und Oulx entsprachen. Dank einer Verfassung, die von über 50 Gemeinden unterzeichnet wurde, wurde die Bevölkerung dieser Alpentäler zwischen Italien und Frankreich von der feudalen Knechtschaft befreit und erhielt eine Reihe von Rechten.
