Wir setzen uns morgens mit dem Frühstück raus – auch um dem ständigen Dauergequassel der Vier zu entgehen. Schon gestern haben wir uns entschieden, ein Stück unseres Weges auf dem Sentiero degli Alpini zu gehen, statt komplett dem Alta Via dei Monti Liguri – AV zu folgen, auf dem wir auch gestern schon unterwegs waren.
Das bedeutet: z.T. spektakulär in den Fels gehauene Steige über steilen Abgründen – trotz der inzwischen geringeren Höhe – vor dem Ankommen am Meer übermorgen nochmal echtes Bergfeeling. Inzwischen hat sich auch die Umgebung völlig verändert: es ist viel trockener, heißer. Am Wegesrand wächst Lavendel, immer wieder spenden auch ein paar Lärchen Schatten. Der Weg, den wir dann gehen ist ein sehr gut abgesicherter Steig. Absolut neue Drahtseile spenden Vertrauen. An einer Stelle hören wir schon von weitem Wasser in dieser Steinwüste fließen – eine Quelle tritt hier aus der Wand aus, wir füllen angesichts der Hitze unsere Flaschen auf!
Weniger sicher scheint der Weg und die Überhänge selber – mache eingezogenen Betonstützen sind abgebrochen oder weisen meiner Meinung nach bereits „Sollbruchstellen“ auf. Auch der hängende Fels obendrüber ist von Rissen durchzogen, steht manchmal nur auf einem Felssplitter!
Anschließend geht es noch über 2 Stunden einfachere Wege, unten wird es ein schottriger Fahrweg. Ein paar Hundert Meter vor einer nicht mehr bewirtschafteten ehemaligen Hütte eine traurige Entdeckung: mitten auf dem Weg liegt ein kapitaler Rehbock. Tot, aber völlig unversehrt. Ob ihn heute morgen einfach der Alterstod erreicht hat? Ist er abgestürzt?
An der Hütte gibt es alkoholfreies Bier. Ich trinke zwei davon, falle erstmal ins Bett. Später rappele ich mich nochmal auf, schreibe an den letzten drei Tagen. Um halb acht gibt es wieder ein sehr gutes Essen (wir haben mehrfach heute die Grenze gewechselt, jetzt sind wir in Italien!) Die Gegend erinnert an eine Mischung aus Schwarzwald, Vogesen und vielleicht Korsika. Beim Essen habe ich unten „im Tal“ an einem Gichtstreifen ein Boot auf dem Meer im Dunst erkannt!! Zum ersten Mal sicher das Meer gesehen! Danach schreibe ich bis 22.30 Uhr weiter – bin jetzt in der JetztZeit angekommen! Cilli hat den schwereren Part – und hängt hinterher mit dem Einfügen der Bilder, irgendwo bei der Refuge de Nice!
