Wir verlassen die Hütte um 07:20 Uhr. Vor uns liegt ein herausfordernder Pass und insgesamt 1000Hm im Auf- und über 1600Hm im Abstieg. Es turnt schon sehr eilig eine Gruppe von fünf – offenbar sehr ehrgeizigen – jungen Französinnen und Franzosen das nicht leicht zu gehende Blockgelände hoch. Allmählich kommen wir mit einem angepassten Tempo und besserer Technik näher, überholen dann. Das Spielchen wird sich in den nächsten Tagen noch ein paar Mal wiederholen, es wird schnell deutlich, dass die Gruppe in Bezug auf Kondition und Können sehr inhomogen ist.
Am Pass begegnen uns – wie sollte es anders sein – Steinböcke, diesmal aber 2 männliche Exemplare.

Der eine kaut relaxt, der andere liegt mitten auf dem Weg und zieht auch erst davon, als wir schon ziemlich nahe herangekommen sind.
Der Abstieg ist extrem schuttig und steil, wir passieren das Rifugio Genova Figari und steigen dann nochmals auf. Wir schauen zurück auf die beiden Seen, an denen wir eben noch vorbei gelaufen sind und unseren Abstieg durch die Schutthalden hinten halbrechts. Da sind wir durch?
Auf der anderen Seite sehen wir schon unseren Weg für morgen früh zum Pass.
Zunächst aber geht es entspannt und lange in vielen Kehren zum Refugio Soria Ellena. Die von einem jungen Team geführte Hütte bittet uns abends nach dem Essen alle nach Draußen zu einer kleinen „Überraschung“.
Hier sind aufgereiht mehrere Gläser aufgebaut. Was wir erst für Stückchen Melone hielten sind nichts anderes als Zuckerwürfel, die in Schnäpse mit verschiedenen Geschmacksrichtungen eingelegt sind.
Ich probiere Genepy. Im ersten Moment ein Schock – dann schnell die Erkenntnis, dass man es lieber bei diesem einen Versuch belassen sollte.
Beim Abendessen haben wir mit einer netten französischen Familie zusammen gesessen. Einer der Jungs lernt Deutsch in der Schule, wir reden ein bisschen über Sport. Am nächsten Tag werden er und seiner kleiner Bruder versuchen, mich Opa abzuhängen – bis die Mutter sie zurückpfeift.
