Der Start: 7 Tage südlich des Gran Paradiso vom 26.06. – 02.07.2026

26.06.2026 Mannheim nach Quincinetto 
Wir sind wie geplant in Mannheim gestartet (Danke an die Deutsche Bahn!). Es war der vierte sehr heiße Tag in Folge mit Temperaturen bis an die 40° Marke. An Sport war nicht zu denken, sich in der kühlen Wohnung aufhalten war das Beste was man tun konnte, wenn man wie ich nicht mehr arbeiten muss. Außerdem steckte mir das Fest des Mietshäuser Syndikats vom Wochenende noch in den Knochen. Also nicht die optimale Vorbereitung für unsere Bergtour. Vier Züge und 1 Bus brachten uns in fast 12 Stunden zu unserem Startort Quincinetto.

Unterwegs bemerkenswert krass der Ausstieg aus dem klimatisierten Zug im Mailänder Bahnhof! Entsprechend kaputt kamen wir an, aber die herzlichen Leute des B&B Casa Val und die Pizza unten im Ort stellten uns wieder auf.
5 Teilnehmerinnen sind ab hier 7 Tage mit uns unterwegs.

27.06.2026 Von Quincinetto nach Succinto 
Aufgrund dieser Vorgeschichte und der zu erwartenden Hitze (Quincinetto ist der tiefste und damit auch heißeste Punkt unseres Wanderweges, der GTA) sparen wir uns einen Teil des Aufstiegs und lassen uns mit zwei PKW’s von unseren Gastgebern nach dem Frühstück erstmal ein gutes Stück den Berg hochfahren. Die letzten 910 Höhenmeter wollen wir aber trotzdem wandern.

So kommen wir abends, noch angeschlagen von der permanenten Hitze in dem Örtchen Succinto an.
Succinto liegt am Hang und ist mit dem Auto nicht zu erreichen. Es gibt eine kleine Kirche und eine Handvoll BewohnerInnen. Kleine verwinkelte Gässchen führen uns zu dem für uns wichtigen das Posto Etappa. Bereits beim Näherkommen hören wir Gitarrenklänge und Gesang. Katja, die Betreiberin und ein Freund proben: unter anderem die „Stairways to heaven“ finden sich auch in der kleinen Kirche wieder. Katja kocht mit Zutaten aus dem eigenen Garten unter anderem abends ein leckeres Risotto, mittags lassen wir uns bereits einen Teller Spaghetti machen. Alkoholfreies Bier gibt es zunächst auch.

Die Belieferung hier oben findet mit einer interessanten Materialseilbahn statt: die Ausgleichslast im Doppelkorb des Zwillingsseils ist Wasser, das jeweils eingefüllt wird – kein Diesel, kein Strom, nur Schwerkraft!


Nach diesem ersten, bereits angefüllten Tag fallen wir alle sieben bald in die einfachen Lager.

28.06.2026 Von Succinto nach Piamprato 
Am nächsten Tag geht es dank eines sehr früh verhandelten Frühstücks weiter Richtung Piamprato. Es ist immer noch sehr heiß und bald auch schwül, alle nächsten Tage sind ab mittags mit höherer Regenwahrscheinlichkeit gemeldet, auch Gewitter sind möglich! Dabei ist diese Strecke eine der schwierigsten des gesamten GTA, nach einem steilen langen Aufstieg ist der Abstieg dann mit bemoosten glatten Felsplatten und schlappen Geländerseilen gewürzt, angeblich im Schwierigkeitsbereich T4. Mühselig, aber noch im Trockenen kommen wir unten an.

Rund um unsere Unterkunft, ein kleines Hotel (in der örtlichen Posto Etappa fehlt derzeit das Wasser!) ist aufgrund des Sonntags und der Lage am Talende noch sehr viel los. Erst einige Zeit später erreicht uns das sehnlichst erwartete Bier, können sie uns unsere Zimmer zeigen. Das Abendessen und die gelassene Freundlichkeit des Wirtes lassen uns dann doch gut ankommen!

Viel geht nach dem Essen auch nicht mehr, wir können zwar kein früheres Frühstück bekommen – das ist aber auch nicht nötig.


29.06.2026 Von Piamprato nach Talosio 
Mittlerweile aufgrund der Hitze flexibler (und schlauer) nehmen wir den Bus für die ersten fünf Kilometer das Tal runter. So starten wir zu Fuß dann erst um 10:00 Uhr ab Ronco Canavese Richtung Talosio. Wie beim GTA üblich geht es zunächst wieder steil hoch, kurz vor dem Übergang überholen wir nach ein paar Stunden eine Gruppe von 4 WanderInnen, ebenfalls aus Deutschland. Ab hier  fällt der Weg dann runter nach Talosio.

Hier treffen wir auf der Suche im fast verlassenen Ort die Schwester des Besitzers der kleinen Trattoria, die auch das Posto Tappa betreut. Das ist in einem ehemaligen Schulgebäude von 1895 untergebracht. Wir stellen nur kurz die Rucksäcke ab, finden dann die Trattoria „beim Wolf“ mit der kleinen Bar – es gibt sogar alkoholfreies Bier, da es bis zum Abendessen noch dauert müssen auch ein paar Sandwiches dran glauben.

Das Abendessen ist sehr gut, vielfältig und mehrgängig. Hier, mitten in den Bergen, sind wir auch diesbezüglich im Piemont angekommen. Im ehemaligen Klassenzimmer der Schule schlafen wir alle sehr gut.

30.06.2026 Von Talosio nach San Lorenzo 
Nach einem sehr frühen, für italienische Verhältnisse sehr üppigen Frühstück (Essen spielt eine immer wichtigere Rolle!) sind wir um 7:15 Uhr schon auf dem Weg nach San Lorenzo. Wie üblich hoch zu einem Pass, nicht ohne einem Christus einen Besuch abzustatten, dann über ausgesetzte Wege runter zu einem Stausee. Hoch geht’s zu der Hütte eines Parkrangers mit Wasserstelle und Spiegel. In einem Stall müssen wir uns kurz unterstellen, um die Regenklamotten überzuziehen. Mittlerweile ganz gut eingelaufen kommen wir in San Lorenzo schon gegen Nachmittag an.

Allerdings ist die Chefin zu diesem Zeitpunkt aufgrund ihrer anderen Arbeiten noch nicht da, es gelingt jedoch schon mal, 3 große Flaschen Bier und ein paar Chips raus zu handeln. Das Abendessen wird dann jedoch ein echtes Schwelgen in kleinen Häppchen von einer Vielzahl von Tellern. Trotzdem nehmen wir natürlich den angebotenen weiteren Teller Pasta noch mit.

01.07.2026 Von San Lorenzo nach Ceresole Reale
Von San Lorenzo geht es am nächsten Tag erstmal 3,5 Kilometer die steile Strasse runter, unten in Rosone können wir den Bus  für 5 Kilometer die Hauptstrasse hoch nehmen bis Noasca. Ab hier wieder steil den Wald hoch gelangen wir durch „die Geisterdörfer“ und Lärchenwälder hinunter Richtung Lago Ceresole und zu unserem nächsten Posto Tappa Fonti Minerali. Heute regnet es kurz nach der Ankunft, wir sitzen bereits unter den Sonnenschirmen und trinken ein Anlegerbier.

02.07.2026 Von Ceresole nach Pialpetta
Am nächsten Tag brechen wir wieder früh auf, allerdings ist heute der erste Tag ohne Regenwahrscheinlichkeit oder Gewitter! Gleichzeitig der Tag mit dem höchsten Passübergang, dem Colle della Crocetta mit 2640 m! Ein Traumtag, im Rücken das Panorama des Gran Paradiso, wir sitzen auf den warmen Felsplatten, genießen die letzten Nüsse oder die Reste des Abendessens. 1400m tiefer laufen wir dann in den heißen Ort Pialpetta ein, hier endet unsere Führungstour. Fast jeden Tag sind wir über 1000 Höhenmeter auf und abgestiegen, die Woche hatte es in sich! Danke an unsere Teilnehmenden, super gemacht!
Ab morgen ziehen Cilli und ich alleine weiter, heute Abend gibt es aber noch einen würdigen piemontesischen Abschluss!

 

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AutorIn
Günter Bergmann

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