6. Januar Drei Könige 2026

Eigentlich sollte dieser Text schon zum Neujahr geschrieben sein, dann aber war meine Rückschau 2025 nur wieder desaströs, ähnelte, wenig Mut machend, dem Blogbeitrag vom Januar 2025. Ich war unzufrieden, wer würde lesen, woraus er oder sie sich sowieso schon das ganze Jahr weg wünschte, die wiederkehrende Aufzählung von Unsäglichkeiten und Fehlentwicklungen, Machtmissbräuchen und Lügen. Muss ich, um bei der Wahrheit zu bleiben, in jedem Text erzählen, dass die Reichsten 581.577 € pro Minute verdienen, während der Eintritt ins Mannheimer Schwimmbad mittlerweile fünf Euro beträgt? Dass die Abkehr vom Verbrennerausstieg selbst von Auto Experten als Sargnagel für die hiesige Autoindustrie bezeichnet wird, während der Temperaturanstieg in den Alpen mittlerweile bei über 2°C liegt? Oder jetzt auch die Verletzung des Völkerrechts und den Imperialismus durch Trump vorne dranstellen? Und so weiter. Ich muss mich bremsen, um nicht wieder ins alte Muster zu fallen. „Schreib doch mal positiv“ riet mir die beste Scoutin aller Zeiten. Also hab ich den alten Text gelöscht und bin noch mal neu gestartet.

Tatsächlich gibt es ja auch jede Menge gute Nachrichten um uns herum. Zugegeben – man muss Augen und Ohren schon aufsperren. Dass ausgerechnet jetzt New York einen sozialistischen Bürgermeister hat, der sich darum bemühen will, die Mieten in der Stadt wieder bezahlbar zu machen. Unabhängig davon wie viel Erfolg er damit haben wird, ist das erst mal eine positive Nachricht. Sich zu trauen, damit Wahlkampf in der kapitalistischen Hochburg New York zu machen: eine Nachricht, mit der vor einem Jahr niemand gerechnet hätte. Das lässt hoffen für die Einführung des Mietendeckels in Berlin!

Man muss aber gar nicht so weit und in die Metropolen gehen: Die Gemeinden der Odenwälder Bergstraße Dossenheim und Schriesheim (unser liebstes Rennradgebiet) haben in einer Bürgerbeteiligung entschieden, den Bau von Windkraftanlagen auf der Odenwälder Westkante vorantreiben zu wollen. Dies ist umso bemerkenswerter, da hier jahrelang rückwärtsgewandte und von einflussreicher Seite unterstützte, so genannte „Bürgerinitiativen“ die Windkraft verteufelt haben. Das zeigt, es gibt eine Entwicklung, demokratisch und langsam zwar, aber doch.

Dazu passt der Verlauf der Diskussion um die Nutzung von Geothermie in Mannheim. Es zeichnet sich eine breite Akzeptanz ab, die hier in der Region unter der Erde vorhandenen idealen Bedingungen nutzen zu wollen. Auch rät die Mannheimer Energieversorgung mittlerweile allen von Gasheizungen ab. So viel zum Thema „Technologieoffenheit“ – wenn die tatsächlichen Auswirkungen Berliner Energiepolitik im Realitätscheck auf kommunaler Ebene überprüft werden müssen.

Neu ist auch, dass der Mannheimer Gemeinderat anscheinend – vielleicht nicht aus ökologischen – aber mindestens aus Kostengründen, bereit ist den Stellplatzschlüssel zu senken. Tiefgaragen verteuern nicht nur das Wohnen, sondern produzieren auch unnötig viel CO2.

Zwar wird Mannheim damit alleine vermutlich noch nicht wie angestrebt bis 2030 klimaneutral werden, nicht zuletzt auch wegen der Kürzungen im Haushalt (siehe oben), es geht aber in die richtige Richtung. Es ist das mindeste, was wir hier vor Ort für die Alpengletscher und gegen das Auftauen des Permafrosts tun können!

Ich kopple diese Mannheimer energiepolitischen Aussichten mit der Berechnung der Wirtschaftsredakteurin Ulrike Herrmann: auf dem Level eines Lebensniveaus von 1975 könnte der pro Kopf Ausstoß von CO2 ausreichend begrenzt werden, dass unsere globale Gesellschaft weiter funktionieren könnte. Ich persönlich fand es 1975 für mich völlig ausreichend, könnte damit in Einklang mit den zukünftigen ErdbewohnerInnen gut leben. Da unsere bilanziellen Ressourcen bereits jedes Jahr im April aufgebraucht sind, liegt Ulrike Herrmann damit deutlich näher an der Wahrheit als die scheuklappenden Wachstumsprediger der Weiter-so-Regierung und ihrer Lobbyisten.

Vor allem in unserer Nähe passiert also grade einiges positives.
Für uns beide kommt hinzu: wir feiern am 20. Juni, also eine Woche bevor wir wieder in die Berge starten, mit unserem selbstverwalteten Wohnprojekt umBAU² Turley auf dem Mannheimer Turleygelände das zehnjährige Ankommen des Mietshäuser Syndikats in Mannheim.

Gemeinwohlorientiertes bezahlbares Wohnen in Mieter*innen Hand. Dieses Projekt war für uns beide bereits die erste „Voralpen Erfahrung“ unserer gedachten blauen Berge, gehört für mich in die Liste der Ressourcen sparenden Möglichkeiten, die gegen die Klimakrise unternommen werden können.

Als weitere unbedingt nötige positive Perspektive sehe ich die Initiative PRÜF, die von Nico Semsrott ins Leben gerufen wurde und mittlerweile von einer breiten Basis getragen wird.

Auf ein gutes Neues, tolle Berge und weite gesellschaftliche Aussichten.

Günter Bergmann

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Günter Bergmann

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